Der Doppelsuizid – Teil 2: rechtsmedizinische und kriminalistische Aspekte

2020 | journal article. A publication with affiliation to the University of Göttingen.

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​Der Doppelsuizid – Teil 2: rechtsmedizinische und kriminalistische Aspekte​
Holz, F.; Verhoff, M. A.; Deschins, J.; Duttge, G.   & Parzeller, M.​ (2020) 
Rechtsmedizin31(1) pp. 42​-49​.​ DOI: https://doi.org/10.1007/s00194-020-00434-9 

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Attribution 4.0 CC BY 4.0

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Title Variant(s)
The double suicide - Part 2: forensic and criminalistic aspects
Authors
Holz, F.; Verhoff, M. A.; Deschins, J.; Duttge, G. ; Parzeller, M.
Abstract
Zusammenfassung Einleitung Begehen zwei Menschen infolge einer gemeinsamen Entscheidung Suizid, wird dies als Doppelsuizid oder gemeinschaftlicher Suizid definiert. Die rechtsmedizinische Begutachtung hängt von den Umständen des konkreten Einzelfalls ab und kann für die rechtliche Würdigung insbesondere bei Konstellationen, bei denen ein Beteiligter überlebt hat, wichtige Hinweise liefern. Material und Methoden Für einen 25-Jahres-Zeitraum von 1995 bis 2019 wurden retrospektiv alle Sektionsfälle mit vollendeten und versuchten Doppelsuiziden analysiert und, soweit erhältlich, mit den Ermittlungsakten abgeglichen. Ergebnisse Unter den erhobenen 23 Doppelsuizidfällen fanden sich 16 vollendete sowie 7 Fälle mit jeweils einem Überlebenden. In 83 % der Fälle handelte es sich um Ehepaare bzw. eingetragene Lebensgemeinschaften, in 13 % um Personen, die sich zuvor in einer psychiatrischen Einrichtung, und in 4 % um Personen, die sich in einem „Suizidforum“ im Internet kennengelernt hatten. Der Mittelwert des Sterbealters betrug bei den Männern 57,8 und bei den Frauen 63,4 Jahre. In etwa zwei Drittel der Fälle wurden Erkrankungen als vorherrschendes Suizidmotiv angegeben. Als häufigste Methode wurde eine Intoxikation gewählt. Am zweithäufigsten fanden Schusswaffen Anwendung, wobei ausnahmslos der Mann zuerst einen oder mehrere Kopfschüsse auf seine Frau abgab, bevor er sich suizidierte. Der häufigste Sterbe- und Auffindeort war das gemeinsame Bett der Suizidenten. Diskussion Im Gegensatz zu Suiziden i. Allg. wurden die Doppelsuizide am häufigsten mittels einer Intoxikation als sogenannte weiche Methode verübt. In Anlehnung an die rechtsmedizinische Literatur werden für einen Doppelsuizid typische Merkmale herausgearbeitet. Schlussfolgerung Doppelsuizide stellen seltene Fälle in der rechtsmedizinischen Praxis dar, wobei die Abgrenzung zu einem erweiterten Suizid (Homizid-Suizid) schwierig werden kann und zugleich unabdingbar ist. Hierfür ist eine ganzheitliche Berücksichtigung der Vorgeschichte, der rechtsmedizinisch erhobenen Befunde und der kriminalistischen Umstände erforderlich.
Issue Date
2020
Journal
Rechtsmedizin 
Organization
Institut für Kriminalwissenschaften 
ISSN
0937-9819
eISSN
1434-5196
Language
German
Sponsor
Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt am Main (1022)

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