Handwerk im ländlichen Raum

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​Handwerk im ländlichen Raum​ ​
Runst, P.  & Haverkamp, K. ​ (2018)
Volkswirtschaftliches Institut für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen.

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Authors
Runst, Petrik ; Haverkamp, Katarzyna 
Abstract
Das Handwerk ist ländlich. Der Beschäftigungsbeitrag des Handwerks in ländlichen Regionen ist 33 % höher als in den städtischen Regionen. Gerade in diesen Räumen, welche eine niedrigere Wirtschaftsleistung aufweisen als Städte, übernimmt das Handwerk eine stabilisierende Funktion, vermindert Armut, integriert Jugendliche in das Arbeitsleben und schafft eine lebenswerte Umgebung. Dennoch spielt das Handwerk auch in den Städten eine wichtige Rolle. In den meisten der 402 deutschen Kreise liegt der Anteil der Handwerker an allen Erwerbstätigen über 10 %. Die vorliegende Kurzstudie widmet sich jedoch vornehmlich den ländlichen Räumen, die man als handwerkswirtschaftliche Kernregionen bezeichnen kann. Folgende Fragen werden in dieser Kurzstudie beantwortet: 1. Welche Funktionen erfüllt das Handwerk in ländlichen Räumen? Produkt- und Dienstleistungsinnovationen in Handwerksunternehmen erzeugen positive Impulse für die regionale Wirtschaft. Außerdem integrieren Handwerksunternehmen Jugendliche mit niedrigeren Bildungsabschlüssen in den regionalen Arbeitsmarkt und wirken somit Armut und Abwanderung entgegen. Und schließlich übernehmen Handwerksunternehmen eine Versorgungsfunktion in dünn besiedelten Räumen. 2. Gibt es besondere Merkmale handwerklicher Regionen? Handwerksregionen unterscheiden sich in bestimmten Merkmalen deutlich von Nicht-Handwerksregionen. Sie weisen ein niedrigeres Pro-Kopf-Einkommen auf und sind vorrangig ländlich geprägt. In Handwerksregionen gibt es dennoch weniger Armut als in vergleichbaren Nicht-Handwerksregionen und die Bevölkerungsentwicklung verläuft langfristig stabiler. 3. Welche Regionen profitieren von der GRW-Strukturförderung (Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“)? Handwerksregionen erhalten eine geringere Fördersumme als Nicht-Handwerksregionen. Die bisherige Strukturförderung kommt Siedlungsräumen zugute, welche am stärksten durch die Schrumpfung betroffen sind. Wenn man das Ziel einer räumlichen Strukturförderung prinzipiell akzeptiert, stellt sich hier die Frage, ob eine Förderung der am stärksten schrumpfenden Regionen als nachhaltig angesehen werden kann. Stattdessen wäre über eine Förderung von strukturschwachen Wirtschaftsräumen nachzudenken, welche ein Mindestmaß an zukünftiger Bestandsfestigkeit aufweisen. 4. Einmal Handwerksregion – immer Handwerksregion? Wie lange überdauern regionale wirtschaftliche Strukturen? Es kann gezeigt werden, dass Regionen, deren Wirtschaftsstruktur 1926 bereits stark vom Handwerk geprägt wurde, heute wieder zu den Handwerksregionen zählen. Es gibt weiterhin Hinweise darauf, dass die Wurzeln dieser strukturellen Stabilität noch weiter in der Vergangenheit liegen und im Zusammenhang mit bestimmten landwirtschaftlichen Strukturen im 19. Jahrhundert stehen.
The proportion of craftsmen in the overall labor force is 33 % higher in rural counties (Kreise und kreisfreie Städte) than in urban ones. Rural counties are characterized by lower levels of prosperity and the crafts play a stabilizing role, lowers poverty, integrates young people into the labor force und promotes a livable social environment. The crafts sector also plays a minor role in urban areas. In most of the 402 German counties, the proportion of craftsmen in the overall labor force lies above 10 %. This study focusses on rural regions however, that can be called core crafts regions. The following questions will be answered in this study: 1. What function does the crafts sector have in rural regions? There are positive effects of innovative crafts products and services for regional economies. Young workers who would otherwise have trouble entering the labor market are supported by crafts training, thereby lowering poverty. The crafts sector provides goods and services in sparsely populated areas. 2. Are there typical characteristics of crafts counties? Crafts counties are different from non-crafts counties. They display lower per capita levels of GDP and they are mostly rural. Nevertheless, there is less poverty in crafts regions than in non-crafts regions and the longer term population dynamics are more stable. 3. What are the regions benefitting from regional economic subsidies provided by the government? Crafts regions receive less regional economic aid than non-crafts regions. The current support system benefits settlement areas that are strongly affected by population decline. If one accepts the existence of regional economic support in principle, it must nevertheless be asked whether such a support policy can be regarded as sustainable. 4. Once a crafts region always a crafts region? The historical persistence of regional economic structures. It can be shown that regions whose economic structures were characterized by the crafts in 1926 also display a strong crafts focus today. There is evidence for even older roots of such a crafts structure. In particular, if a region tended to display a low productivity agricultural structure in the 19th century it is likely to develop a crafts structure over time, which then persists over many decades.
Issue Date
26-June-2018
Publisher
Volkswirtschaftliches Institut für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen
Organization
Volkswirtschaftliches Institut für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen e.V. 
Series
Göttinger Beiträge zur Handwerksforschung 
Extent
35

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